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02.12.2011

Von träumenden Büchern und müden(?) Autoren

Einst machte sich der junge Hildegunst von Mythenmetz in Walter Moers Roman “Die Stadt der träumenden” Bücher auf nach Buchhaim, wo ihn tief in den Katakomben das wohl größte Abenteuer seines Lebens erwartete. Auch wenn das Buch recht langatmig (dabei aber wohlgemerkt zu keinem Zeitpunkt langweilig) beginnt und man schon fast fürchtet, die Erzählung könne enden noch während man sehnsüchtig ihren Anfang erwartet, wendet sich die Geschichte genau im richtigen Moment und man wird Zeuge des, aus meiner Sicht, einzigartigen Fesslungskünstlers Walter Moers.

Ganz anders verhält es sich da leider mit der Fortsetzung “Das Labyrinth der träumenden Bücher”.

Auf knapp 430 Seiten zieht sich die Spannungsgerade (die Bezeichnung “Kurve” wäre eine Beleidigung für die armen Mathematiker) scheinbar endlos dahin und eröffnet dem Leser eine Belanglosigkeit nach der anderen. Alleine 30 Seiten füllt Walter Moers dabei mit Auszügen aus den Notizen des erdachten Autors Hildegunst von Mythenmetz (Walter Moers selbst versteht sich bei diesen Romanen lediglich als der “Übersetzer”) und erdreistet sich dabei tatsächlich, diesem Abschnitt eine “Anmerkung des Übersetzers” voranzustellen mit dem Hinweis, dass jener Abschnitt um gut 400 Seiten gekürzt wurde, weil das für den Leser unzumutbar sei. In einem etwa 80 seitigen Kapitel findet sich der Leser in einem Puppentheater wieder, in dem als Aufführung die Kurzfassung der Handlung des ersten Teils gegeben wird. Zugegeben, hierbei handelt es sich um eins der interessantesten Kapitel des Romans, jedoch scheint der Autor an dieser Stelle wohl besonders auf die Wiederkäuer unter seinen Lesern bedacht gewesen zu sein.

Möglicherweise wollte er aber nur die Wandlung Mythenmetz’s verdeutlichen und die Art, wie er nun, knapp 200 Jahre später, über das Erlebte denkt. Tatsächlich hätte man aber selbst unter diesem Aspekt durchaus nichts verpasst, wenn man dieses Kapitel überspringt. Der große tapfere Held war Mythenmetz auch im ersten Teil nicht, seine Weinerlichkeit hat sich in diesem Roman nun jedoch zu einem schier unerträglichen Maximum gesteigert. Auch sonst hat sich sein Charakter sehr verändert. Klar 200 Jahre gehen an niemandem spurlos vorbei und in Hinsicht auf den Erfolg, den ihm das Orm als Schriftsteller verschaffte, ist die dargestellte Wandlung geradezu ein Kunstgriff. Arrogant, überheblich und teilweise auch sehr egoistisch ist Hildegunst geworden. Die gnadenlose Zurschaustellung dieser Charaktereigenschaften an zahlreichen Stellen des Buches machen es einem als Leser unmöglich etwas anderes als Verachtung für den Protagonisten zu empfinden, was einen die allgemeine Belanglosigkeit und Langeweile dieses Machwerks nicht unbedingt wohlwollender betrachten lässt.

Natürlich sind einige der hier beschriebenen Kritikpunkte auch auf die eine oder andere Weise auf andere Werke von Walter Moers anwendbar, einige davon scheint er regelrecht als Stilmittel einzusetzen. Was durchaus Wirkung zeigt so, dass das anfänglich plump wirkende Stilmittel auf eine Weise umschlägt, die es wiederum großartig macht. Im Falle von “Das Labyrinth der träumenden Bücher” bleibt dieser Effekt jedoch vollkommen aus. Hier wurde es einfach zu übertrieben und inflationär eingesetzt, wie mir scheint. Beispielsweise hätte der Hinweis zu den Notizen möglicherweise tatsächlich eine humoristische Wirkung erzielen können, wenn es sich vielleicht um 3 oder 4 Seiten Notizen gehandelt hätte. So jedoch erscheint es lediglich wie ein lächerlicher Versuch zur Ironie, welcher nicht einmal zündet.

Zum Ende hin (in etwa auf den letzten 30 Seiten!) scheint die Geschichte dann doch noch in Fahrt zu kommen. Eine Wendung bahnt sich an von der man nun die ganze Zeit denkt “Nein! So kann es einfach nicht kommen, zu offensichtlich!” und dann … geschieht genau das. Was genau verrate ich an dieser Stelle nicht, schließlich möchte ich hier kritisieren und nicht spoilern.
Nur so viel möchte ich sagen: Was ich eingangs als Befürchtung zum ersten Teil erwähnt hatte bewahrheitet sich nun in Bezug auf die Fortsetzung.

Am Ende bleibt mir nur der Ärger darüber viele Stunden meines Lebens mit dieser sinnlosen Lektüre vergeudet zu haben und die Hoffnung dies dem interessierten Leser dieser Kritik ersparen zu können.

Nachdem hier nun aber so viel schlechtes geäußert wurde, möchte ich nochmals betonen, dass ich Walter Moers durchaus für einen großartigen Autor halte! “Die Stadt der träumenden Bücher” ist ein fantasievolles und packendes Abenteuer. “Wilde Reise durch die Nacht” hat mich tatsächlich so sehr gefesselt, dass ich es in einem Rutsch durchlesen musste. Die Hälfte der Zeit saß ich mit einer Zigarette im Mund da, ich wollte nur eben eine rauchen gehen aber ich konnte mich einfach nicht losreißen. Diese Wirkung hatten noch nicht viele Autoren auf mich. Auch zum Titel “Rumo & Die Wunder im Dunkeln” habe ich bisher durchweg gutes gehört, hier kann ich aber leider nicht mit einer persönlichen Einschätzung dienen.

1 Kommentar »

  1. 1
    Heiko schrieb am 3. December 2011 um 18:47


    Nachdem ich gerade eine Rezension zu eben diesem Werk gelesen habe, die so ziemlich auf das genaue Gegenteil von dem hinausläuft, was ich hier schildere, möchte ich dazu anmerken, dass mir durchaus bewusst ist, dass Walter Moers den Charakter Hildegunsts bewusst (dazu wohlgemerkt oftmals aber mehr als völlig überzogen) als so abgehoben schildert. Auch was die (ebenfalls viel zu überzogene) Langatmigkeit, Belanglosigkeit, das Kopieren eigener Textausschnitte, etc. angeht, ist dies aus Sicht einer ironischen Satire durchaus als “gelungen” zu bezeichnen.
    Das resultierende Gesamtwerk aber (und da bleibe ich in meiner Meinung unerschütterlich) ist und bleibt eine Zumutung, so etwas kann man doch nicht ernsthaft, noch dazu zu einem solchen Preis, an den Leser bringen. Kritik an seinem eigenen erdachten Autor sei Walter Moers ja gestattet, ja sogar ausdrücklich erwünscht, tat er es in seinen bisherigen Werken doch auf sehr gelungene Weise.
    Bei dem vorliegenden Werk jedoch scheint er versucht zu haben sich auf einem Erfolgsrezept auszuruhen (daher auch die Wahl der Überschrift), indem er dieses in den Mittelpunkt der Handlung rückt und auf eine Weise übertreibt, die jenseits allem Guten liegt.
    A.d.K. ^^

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